Wanderwege im Unstrut-Hainich-Kreis drohen zu verwildern

  • Kreiswegewart Lothar Fulle mit dem Hinweisschild zum Unstrut-Radweg. Foto: Alexander Volkmann Kreiswegewart Lothar Fulle mit dem Hinweisschild zum Unstrut-Radweg. Foto: Alexander Volkmann
So kann es nicht weitergehen. Kreiswegewart Lothar Fulle rauft sich die Haare, wenn er an die Unterhaltung des Wanderwegenetzes im Unstrut-Hainich-Kreis in den nächsten Jahren denkt. Bislang außerhalb des Nationalparks Hainich fast ausschließlich von ehrenamtlichen Orts- und Vereinswegewarten vorgenommen, haben diese mittlerweile das 70. Lebensjahr überschritten.
Mühlhausen. Damit kommt es, verständlicherweise, auch zu deutlichen Unterschieden in der Qualität des Wegenetzes. Der Einsatz von ABM-Kräften und Promo-Beschäftigten bei der Pflege ist längst nicht mehr gegeben. Dagegen sind die Wanderwege im Nationalpark und im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal gut begehbar und gepflegt, weil sie durch hauptamtliche Ranger unterhalten werden. Doch das Wanderwegenetz ist nach Aussage des Kreiswegewartes vier- bis fünfmal größer als das im Hainich und im Naturpark.

Dazu kommt, dass die Flächen außerhalb der beiden Parks als Wirtschaftswald ausgewiesen sind. Bedeutet, so Fulle: Die Wege sind einer sehr viel stärkeren Belastung durch Holzeinschlag und durch Holzabfuhr belastet. Und noch etwas weiß der Kreiswegewart: Durch den Forst soll es intensive Bestrebungen zum Rückbau von Wanderwegen geben, um dadurch die Verkehrssicherungspflicht zu reduzieren." Und dass naturbelassene Wanderwege vor allem im Herbst und Frühjahr häufig von Mountainbike-Fahrern und Reitern genutzt und beschädigt werden, ist schon lange in der Diskussion. Das führt zu Ärger bei den Wanderern, aber auch und besonders bei denen, die diese Wege gepflegt haben.

Thema in kommunaler Arbeitsgemeinschaft

Für Landrat Harald Zanker (SPD) ist die Sorge des Kreiswegewartes nachvollziehbar, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. Er stimme ihm voll zu, dass das Problem, gerade auch durch die neuangelegten Wanderwege, ein großes Thema sei. Daher soll es auch auf die Tagesordnung kommen, wenn die kommunale Arbeitsgemeinschaft (KAG) zu ihrer nächsten Arbeitsberatung zusammenkommt. Dabei sollen organisatorische und finanzielle Möglichkeiten geprüft werden. Gehts nicht ein wenig konkreter? Geht, meint er.

So sei die Anspielung von Fulle, auch hauptamtliche Verantwortungen bei der Pflege der Strecken zu prüfen, überlegenswert. "Wir werden darüber zu reden haben", räumte der Behördenchef ein. Dafür gebe es angesichts der Haushaltssituation aber nur zwei Wege. Entweder das aus eigenem Arbeitskräftebestand zu sichern oder für entsprechende Projekte Fördertöpfe anzuzapfen. Auch beides. In seiner Sorge um den Fortbestand der gepflegten Wanderwege schrieb Fulle neben dem Landrat auch Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) und Bad Langensalzas Bürgermeister Bernhard Schönau (FDP) einen Brief. In ihm wies er darauf hin, dass ein gut ausgebautes Wanderwegenetz die Voraussetzung dafür sei, "dass sich Wandertourismus als Wirtschaftsfaktor im Unstrut-Hainich-Kreis etabliert."

Mit dem Hainichlandweg seien erste Versuche gestartet worden, etwa die Idee "Wandern ohne Gepäck zwischen Unstrut und Hainich" umzusetzen. Auch würden die Wanderkarten als Orientierungshilfe für Natur- und Wanderfreunde regelmäßig in Zusammenarbeit der Verlage mit dem Kreiswegewart aktualisiert. Neu erschienen sind nach dessen Auskunft Wanderkarten für den besagten Hainichlandweg und Mühlhäuser Stadtwald. Eine weitere Wanderkarte sei in Arbeit. Besonders an die beiden Städte gerichtet, bemängelte Fulle die Situation beim Radwegenetz. Zwar sei das Netz im Landkreis in den letzten Jahren "sehr gut ausgebaut" worden.

Doch die Anbindung der Radwege innerhalb von Mühlhausen und Bad Langensalza an das Radwegenetz des Kreises sei unzureichend. Und: Die Beschilderung innerhalb der Städte müsse komplettiert werden. "Das ist auf jeden Fall ein Thema", wie gestern Bruns unserer Zeitung sagte, "um uns touristisch noch besser vermarkten zu können." Er habe unlängst ein Gespräch mit Blasius-Pfarrer Andreas Schwarze gehabt, der darauf verwiesen habe, dass etwa der Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda sehr gut ausgeschildert sei. Aber in Mühlhausen gehe dann nichts mehr. Da müsse man ran und das in Ordnung bringen. Mit einem Konzept, das rasch umgesetzt werden müsse. Und die ebenso kritisierte Beschilderung? "Die schließe er natürlich mit ein. Ich bin selbst ein leidenschaftlicher Wanderer, und es nervt, wenn du an einem Punkt angekommen bist, wo es nicht weitergeht."


Jürgen Wand / 12.09.12 / TA
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